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Sharing Economy – gibt’s das auch in Leverkusen?

Ideen für Leverkusen
"Der Begriff der Sharing Economy meint das systematische Ausleihen von Gegenständen und gegenseitige Bereitstellen von Räumen und Flächen,  insbesondere durch Privatpersonen und Interessengruppen. Im Mittelpunkt steht die Collaborative Consumption, der Gemeinschaftskonsum."

So steht’s zumindest im Gabler Wirtschaftslexikon.

Die immer knapper werdenden Ressourcen und die zunehmend schlechter werdenden Bedigungen der in prekären Verhältnissen lebenden Bevölkerungsteile zwingen langsam aber sicher zur Abkehr von altem Besitzstandsdenken. Was in den Entwicklungsländern üblich ist und früher auch in Mitteleuropa üblich war, wird sich auch in den Hochburgen der Marktgläubigkeit weiter verbreiten. Noch ist Deutschland allerdings skeptisch, und die Visionen der Piratenpartei werden noch allzu leicht als Spinnerei angesehen. Aber ist die Sharing Economy nicht längst auch in Deinem Land verfügbar? Ist Teilen nicht längst auch hier schon das neue Haben? Gucken wir uns das doch mal für Leverkusen an:

Freifunk

Mobiles Internet in Deutschland in entweder teuer, langsam oder gar nicht erst verfügbar. Das stimmt allerdings auch in Leverkusen nicht mehr. Seit einigen Jahren verteilt die Leverkusener Freifunk-Community Router im Stadtgebiet, mit der das eigene WLAN für Besucher und Passanten frei gegeben werden kann. Wenn ihr in den letzten Jahren auf dem Christkindchen-Markt in Wiesdorf wart, habt ihr das vielleicht schon ausprobiert. Oder in der Discothek Shadow. Oder in Gaststätten wie dem Old Montana, dem Chocofini oder dem Brauhaus am Platz. Auch bei vielen aktiven Freifunkern im gesamten Stadtgebiet findet ihr offene Netze. Und bald vielleicht sogar in ganz Leverkusen.

Bücherschränke

Jeder hat schon mal ein paar Bücher gekauft, gelesen und dann ins Regal gestellt. Irgendwann liest man es evtl. noch mal durch. Oder nicht? In letzter Zeit gibt es zwar verschiedene Möglichkeiten, die Bücher für ein paar Cent weiterzuverkaufen (z.B. bei Booklooker oder Momox). Das Beispiel gibt es auch in Ferienwohnungen: Man hat die Urlaubslektüre durch und findet dort im Regal ein Buch, das man nicht kennt. Also lässt man die eigene Lektüre dort und nimmt das entdeckte Buch mit. Quid pro quo. Und genauso funktionieren Bücherschränke: Sie stehen an öffentlichen Orten und sind frei nutzbar. Wer sich ein Buch mitnimmt, sollte jedoch eins dafür dalassen. In Leverkusen gibt es derzeit mindestens drei Bücherschränke: in der Waldsiedlung in Schlebusch (Saarstr.), am Neulandpark in Wiesdorf (Nähe Haupteingang) und am Wildpark Reuschenberg in Bürrig (an der Gaststätte) sowie im Café Kraus in Quettingen.

Food Sharing

Im Film „We feed the world“ wird am Anfang ein Mülltransporter gezeigt, der in Wien das alte Brot vom Vortag abholt. Die Unmengen, die dabei zustande kommen, deuten nur an, wie viele Lebensmittel in unserer Gesellschaft einfach weggeworfen werden. Foodsharing ist eine Initiative, um Lebensmittel von Haushalten oder Lebensmittelbetrieben aller Art zu retten. Damit Lebensmittel, die noch gut erhalten und genießbar sind, ihren eigentlich Zweck erfüllen können: Menschen satt zu machen. In Leverkusen steht am Kulturausbesserungswerk in Quettingen ein Essensschrank, in dem nicht kühlpflichtige und nicht altersbeschränkte Lebensmittel abgegeben werden können. Kühlpflichtige und altersbeschränkte (v.a. alkoholhaltige) Lebensmittel werden vom Foodsaver im eigenen Haushalt eingelagert und von dort aus verteilt.

Upcycling

Was kaputt ist, ist kaputt? Nicht zwingend. Bei vielen Dingen, die in unserer Wegwerfgesellschaft einfach wegeschmissen werden, lohnt es sich, einen Reperaturversuch zu unternehmen oder die Mittel weiterzuverarbeiten. Die Aufwertung von Wegwerfprodukten zu aufgewerteten Neuprodukten nennt man Upcycling. In der Nation, die das Recycling zur Kunstform erhoben hat, sollte das doch eigentlich die naheliegendste Möglichkeit sein, mit vermeintlichem Schrott umzugehen. In Leverkusen gibt es eine dafür geeignete Reperaturwerkstatt im Naturgut Ophoven in Opladen. Ein schönes Beispiel dafür sind die „Sonnenblumen“ im Garten des Naturguts.

Co-working Spaces

Nicht jeder, der eine tolle Idee hat und gerne damit ein Unternehmen gründen möchte, hat auch einen Platz, an dem er ein funktionables Büro einrichten kann. Coworking Spaces sind Büros, die nicht dauerhaft von der gleichen Person genutzt werden und daher freigegeben werden. Die Arbeitsplätze können dann gemeinsam genutzt werden. In Leverkusen unterstützen das sogar Stadtverwaltung und Wirtschaftsförderung. Unter schreibtischboerse.wfl-leverkusen.de ist eine Schreibtischbörse zu erreichen, mit der für einen begrenzten Zeitraum ein
Büroraum, ein Konferenzraum oder einfach nur ein Schreibtisch angemietet werden kann.

Carsharing

Die Zeiten, in denen jeder Haushalt (mindestens) ein eigenes Auto hatte, sind vorüber. Nicht nur steigende Unterhaltungskosten und mangelnde Parkmöglichkeiten führen dazu, dass auch des Deutschen liebstes Kind, das Auto, gerne geteilt wird. In Leverkusen gibt es ein Angebot der Wupsi zusammen mit StattAuto Leverkusen.

Auch in Leverkusen gibt es also längst Beispiele für die Sharing Economy. Eine tolle Sache. Hat Ihr noch weitere Beispiele für Sharing Economy in Leverkusen oder tolle Vorschläge dazu? Meldet Euch und macht mit!

Klarmachen zum Ändern!

Pirat aus Leverkusen-Quettingen, der sich aufs Neuland freut. 2017 Direktkandidat für den Landtag. Nebenbei auch ehemaliger Presse-Bespaßer des Leverkusener Piratenbüros. Beruflich Altenpfleger, Qualitätsbeauftragter und EDV-Betreuer. Nebenher langjähriger Schreiberling einer Musik-Website, daher auch redaktionelle Erfahrungen. Politisch nach rot-grüner Sozialisation seit Usenet-Zeiten zunehmend netzaffin geworden und seit 2012 Pirat.