Kommunales Leverkusen

Bienensterben – der bisherige Stand

Bienen (CC-BY-SA Waugsberg)

Die Piratenpartei Leverkusen veröffentlicht die bisherigen Ermittlungsergebnisse der Landwirtschaftskammer NRW zum Bienensterben in Leverkusen aus einer Mail, die uns ein Imker freundlicherweise zur Verfügung stellte, im Wortlaut:

In der zurückliegenden Zeit haben wir versucht den Bienenschaden vom 31.3.2014 aufzuklären. Zur Aufklärung würden wir gerne auch um Ihre Mithilfe bitten und würden auch um Weiterleitung an Ihre Vereinsmitglieder bitten.

Erkenntnisse

Zzt können wir sagen:

  • Nach Befund des JKI (Julius-Kühn-Institut) wurden die Bienen durch Kontakt mit dem Wirkstoff Clothianidin getötet (da der Wirkstoff ua. mit dem Pollen eingetragen und im Stock verbreitet wird, sollten Pollenwaben aus dieser Zeit entnommen und beseitigt werden).
  • An den untersuchten Bienen fanden sich vorrangig Kirsch und Pflaumenpollen
    (Prunus), Pollen von Zierpflanzen (Skimmia) und in geringerem Anteil Pollen
    von Raps.

Der Wirkstoff Clothianidin wird begrenzt noch als Pflanzenschutzmittel, als Saatgutbeize, als Biozid bei der Stallfliegenbekämpfung und in Holzschutzmittel eingesetzt. In Zusammenarbeit mit dem örtlichen BSV (Bienensachverständiger) wurden alle potenziellen landwirtschaftlichen oder gärtnerischen Flächen mit blühenden Trachtpflanzen im Umkreis von 2.000 m um die betroffenen Bienenstöcke befahren und Pflanzenproben (von Raps und Erdbeere) sichergestellt (siehe Pläne). Dabei wurden beide Rheinseiten berücksichtigt.

Nach dem Ergebnis der Pollenanalyse des JKI fand am 15.04.2014 durch den Pflanzenschutzdienst in einem erweiterten Radius (über 3.000 m) um die betroffenen Bienenstöcke eine zweite intensive Befahrung der Region statt.

Hierbei wurden drei weitere Rapsflächen beprobt, die Bewirtschaftern der ersten Probenserie zugeordnet werden. Auch wurden die Nachbarflächen berücksichtigt. Es wurde darauf geachtet, ob mögliche Abdrift aus Pflanzenschutzmittelanwendungen oder Staubbelastungen Ursache der Bienenvergiftung sein könnten.

Es wurde ein zusätzlicher Gartenbaubetrieb mit Schnittblumenproduktion überprüft. Hier erfolgte sowohl eine Pflanzenbeprobung, als auch eine Betriebskontrolle des Pflanzenschutzmittellagers. Ein Pflanzenschutzmittel zur Spritzanwendung mit dem Wirkstoff Clothianidin (Dantop) fand sich im
Betrieb nicht. Der Betriebsleiter versicherte, einen solchen Wirkstoff noch nie eingesetzt zu haben.

Die Pflanzenschutzaufzeichnungen aller betroffenen Landwirte der Region wurden angefordert

Keine, der ersten acht Pflanzenproben deuten auf einen Einsatz von Clothianidin hin. Dies gilt sowohl für die beprobten Flächen, als auch für die unmittelbare Nachbarschaft (Abdrift, Verlagerung).

Die Untersuchungen der Pflanzenproben vom JKI liegen nur für den Wirkstoff Clothianidin vor, die Untersuchung weiterer Wirkstoffe folgt nach Ostern.

Von der LUFA Münster liegen alle Ergebnisse vor. Auch hier ergaben sich keine Hinweise auf einen Einsatz von Clothianidin. Auch andere bienengefährliche Produkte (B1) konnten nicht in relevanten Mengen in den Pflanzenproben gefunden werden.

Ein Einsatz von Clothianidin in blühenden landwirtschaftlichen Kulturen macht überdies auch keinen fachlichen Sinn, da zurzeit hier keine saugenden Insekten zu bekämpfen sind. So würde ein Einsatz keinen wirtschaftlichen Vorteil bringen und eine bewusste illegale Anwendung ist somit eher unwahrscheinlich.

Auf Grund der Tatsache, dass sehr viele Zierpflanzenpollen (Skimmia) an den Bienen festgestellt wurden und die Schädigung auf den Wirkstoff Clothianidin zurückzuführen ist, wird der Pflanzenschutzdienst die Umgebung der betroffenen Bienenstände verstärkt in dieser Richtung untersuchen.

Fragen

Nun einige Fragen an die Imker:

  • Sind in der Umgebung der Bienenstöcke Anpflanzungen mit „Skimmia“ bekannt (Friedhof, große Gärten, Zierpflanzenanzucht)?
  • Wurden grundsätzlich Spritzarbeiten am Wochenende des 29-30.März in Hitdorf oder Langel (=
    andere Rheinseite) und Umgebung beobachtet (auch von privaten Anwendern)?
  • Gibt es in der Umgebung z.B. Tierhalter etc., die Bekämpfungsmittel gegen
    Fliegen einsetzten?
  • Wurden im besagten Zeitraum Holzschutzmittel in der Umgebung der Bienenstöcke und in der Umgebung von Trachtpflanzen verwendet?
  • Wurden sonst auffällige Beobachtungen gemacht?

Für jeden sachdienlichen Hinweis sind wir dankbar, da wir zzt. etwas auf der Stelle treten.

Wir geben diese Frage gerne auch an die Bürger der Stadt Leverkusen weiter.

Klarmachen zum Ändern!

Pirat aus Leverkusen-Quettingen, der sich aufs Neuland freut. 2017 Direktkandidat für den Landtag. Nebenbei auch ehemaliger Presse-Bespaßer des Leverkusener Piratenbüros. Beruflich Altenpfleger, Qualitätsbeauftragter und EDV-Betreuer. Nebenher langjähriger Schreiberling einer Musik-Website, daher auch redaktionelle Erfahrungen. Politisch nach rot-grüner Sozialisation seit Usenet-Zeiten zunehmend netzaffin geworden und seit 2012 Pirat.